Faszinierend: Die FDP-Basis grummelt, die Zustimmungsrate für Merkels Krisenmanagement fällt in den Keller - aber die Euro-Karawane zieht weiter dem Abgrund entgegen. Wenn die FDP „umfällt“ (ich meine: endlich aufsteht), wartet schon die SPD auf die Pfründentöpfe und der rührige Herr Steinmeier scharrt mit den Füßen. Ja, haben denn die verbliebenen Gewerkschafter und Arbeitnehmervertreter keinen Sinn für den Verbleib sauer erarbeiteter Steuer-Milliarden? Jeden Monat „hier hast Du lieber Staat“ - und dann weg damit zu den Ackermanns und ihren Anshu Jains?
Wenn am Samstag um 11 auf dem Kleinen Schlossplatz die Unruhe auf Stuttgarts Straßen hochkocht, wird man plötzlich wütende Hartz-4-Empfänger neben zornigen mittelständischen Unternehmern stehen sehen. Da wächst etwas, das Gutes bringt, Chancen für eine wirklich bessere Zukunft, abseits der Euro-Lügen. Wir müssen uns nicht nur klar werden, dass auf den gestohlenen Derivate-Milliarden kein Segen ruht, weil das mit ehrenhafter Arbeit gar nichts mehr zu tun hat! Wir müssen uns vor Augen führen, dass da wenige Herren mit ihren gekauften Apparaten einfach absahnen, wenn wir uns nicht wehren. Und zwar direkt und unverschämt aus unseren Taschen!
Banken sind nicht die Herren des Geschäfts, sondern sollen dessen Dienstleister sein! Weit überbezahlte Top-Manager im Investment-Bereich sind leider trotz zweifellos schöner dunkelblauer Anzüge nicht immer das Urbild soliden Wirtschaftens - sondern vielfach das Gegenteil davon - oder schlimmer: die Perversion.
Grundlage solider und ehrlicher Wirtschaft war immer die persönliche Verantwortung - und eine gewisse Ehrbarkeit im täglichen Tun. Wenn die Vorstände beschließen, miese Derivate-Konstruktionen in den Markt zu schieben, ist es Zeit zu gehen! (Möglichst mit den geheimen Akten.) Wenn es heißt, jetzt kommt der nächste Griechenland-, Spanien-, Portugal-, Irland-, Italien-Kredit, dann ist es Zeit, auszusteigen (möglichst mit den echten Zahlen auf Stick oder CD-ROM)! Aber wenn die Gemeinschaft der Steuerzahler schon wieder die Banken dafür entschädigen soll, dass die sich großflächig verzockt haben, dann hört jetzt der Spaß komplett auf!
Milliarde um Milliarde häuft die EZB an miesen Papieren auf, weitgehend im Verborgenen. Manche faseln von Eurobonds, dabei gibt es doch immer genügend Ideen, wie man ein Schlamassel unmittelbar verzögert - aber diese künstlichen Verzögerungen heißen woanders Konkursverschleppung und bringen die Schuldigen in den Knast! Warum nicht jetzt auch Ackermann, Blessing und die anderen? Jetzt müssen ganz harte Schnitte her - im weltweiten, im europäischen - aber auch im deutschen Bankensystem. Es geht doch gar nicht darum, ob Griechenland aus der Euro-Währungsgemeinschaft ‘rausfliegt, das ist rechtlich schwierig bis unmöglich, typisches Politiker-Geschwätz! Es geht darum, dass Griechenland einfach kein neues Geld bekommt - und sich selbständig macht, weil es nicht anders geht! Aus, Ende! Alle Euroländer müssen wieder solide werden - übrigens auch Deutschland. Und das heißt: Zurückscheiden der Finanz-Sumpfblüten, Derivate-Verbot, Tobin-Steuer und vieles mehr.
Finanzvermögen von mehreren Milliarden Euro in einer Hand? Das kann gar nicht ehrlich erarbeitet sein! Das ist eben der Unterschied zwischen Piëch und Buffett: Der eine mag zwar persönlich schwierig sein - aber er investiert in einheimische Arbeitsplätze. Der andere wirkt sympathisch - und jongliert in Finanztransaktionen.
Eine Währungsgemeinschaft geht eben nur, wenn vorher ein sehr hoher Grad an politisch-systemischer Homogenität erreicht ist - und stets solide gewirtschaftet wird. Lasst es uns gesagt sein: Das ist vorbei, wir haben‘s vermasselt! Jetzt müssen die Konsequenzen gezogen und getragen werden, gleichgültig, wie sie aussehen, weil die Vermeidungstricks alles nur schlimmer und: ungerechter machen!
Was passiert aber? Der spät aber ehrenvoll zurückgetretenen Chefvolkswirt der EZB, Jürgen Stark, wird durch den Staatssekretär Asmussen ersetzt, der richtige Mann für ganz grobe Luftnummern, die klar an Betrug grenzen!
40% soll der griechische Export zugelegt haben, meinte jüngst BDI-Hauptgeschäftsführer Kerber. Sind das jetzt nur wieder neue von Goldman Sachs eingefädelte Zahlentricks - oder können wir das glauben?
Manche „mit Zugang“ reden jetzt Frau Merkel ins Gewissen. Wie das gehen soll, wo sie offenbar keins hat, ist mir schleierhaft: Frau Merkel hat sich längst festgelegt, kämpft nur noch um das politische Überleben bis zum Ende der Legislaturperiode - und wird das Blaue vom Himmel herunterschwätzen, um das zu erreichen. Ihren persönlichen Rettungsschirm hat sie zum Schaden des deutschen und anderer Völker längst gespannt - ebenso wie zuvor ihren Karriereschirm, der entscheidenden Wind aus Washington einfing mit Ihrer berühmten Einlassung in der Washington Post vom Frühjahr 2003 (pdf), der zufolge unter ihrer Kanzlerschaft deutsche Soldaten an der Seite der USA in den Irakkrieg zögen.
WAS hingegen Frau Merkel überzeugen würde ist, dass Unternehmer, die den Namen verdienen, im Termin etwa Folgendes sagen:
Entweder Sie ändern Ihre Politik - oder wir werden die CDU aber auch die Koalition und jede andere Partei spalten: in vernünftige, verantwortliche, bodenständige Politiker und den Rest, der jeden Wahnsinn mitmacht, solange die Lobbies dafür stark genug sind. Und diese Spaltung werden wir inhaltlich organisieren mit (10 Organisationen, Personen, politische Headlines) - und haben regional vorgesorgt mit (10 namhafte Organisationen, Firmen, Personen, Abgeordnete aller Ebenen aus CDU/CSU evtl. SPD und FDP), wobei wir ausrechnen, dass wir die Hälfte der MdB zu uns ziehen, eine Ansicht die gestützt wird von: drei namhafte Analysten aus Funk/Fernsehen, Beratung und Wissenschaft.
Und wenn Sie jetzt noch nicht genügend schockiert sind, prognostiziere ich, dass dieser Plan entweder umgehend tatsächlich durchgeführt wird - oder Deutschland und die jetzige EU haben ein sehr tiefes Tal der Tränen vor sich.
Ach ja: Eine Lektion haben alle Unzufriedenen der späten Stunde noch vor sich: Bundesregierungen üben seit zehn Jahren am Beispiel Afghanistan, wie man gegen den Volkswillen regiert. Jetzt sitzt die Show! Bis Ende September, wenn über ESM angeblich entschieden werden soll, wird man sehen können, wie gut. Wer aber nur zuschaut - hat jetzt schon verloren.
Deshalb am Samstag um 11: auf den Stuttgarter Schlossplatz!