Faszinierend: Offenbar ist es den politisch gut eingesteckten mächtigen Großspekulanten aus USA und Großbritannien nicht gelungen, den Euro in die Knie zu zwingen. Frankreichs Präsident Sarkozy und Bundeskanzlerin Merkel zeigen zum Teil erstaunliche Unabhängigkeit - und kämpfen mit erstaunlichen Schwierigkeiten.
Als die USA 2002 ihren Irak-Überfall vorbereiteten, scherten zwei selbstbewusste Europäer aus: Frankreichs Präsident Chirac und Bundeskanzler Schröder. Beide sind sicher keine Gutmenschen, doch sie leisteten viel, um die Weltpolitik von der einseitigen Ausrichtung auf die USA ein Stück weit abzubringen. Zum Entsetzen Washingtons ergab sich eine Achse Paris-Berlin-Moskau-Peking, die das Abenteuer im Zweistromland ablehnte.
Aus amerikanischer Sicht ein politischer Rückschlag, der sich nicht wiederholen durfte. Es mussten neue und willfährigere Spitzenkräfte installiert werden, die jederzeit unter Kontrolle gebracht werden konnten. Meine These damals: Es handelt sich um „regime change“ - also das Auswechseln von fremden Regierungen nach US-Gusto - mitten in Europa. Es kamen der umtriebige und vielfach vernetzte Sarkozy, der Chirac zuvor in derart unerhörter Weise offen angegriffen und gedemütigt hatte, dass eine enge US-Anbindung angenommen werden musste - und wegen der zuvor erfolgten öffentlichen Äußerungen auch belegbar ist. Über merkel und ihre Irak-Kriegsteilnahme und für Deutschland historisch einmalige, einseitige pro-israelische Ausrichtung habe ich genügend geschrieben udn geredet.
Jetzt jedoch wird es interessant: Beide Politiker versuchen, ihre Machtbasis zu befestigen, auch abseits amerikanischer Pläne. Sarkozy mit seinem umstrittenen Nuklear-Deal mit Libyen (friedliche Nutzung) und Milliarden-Geschäften mit Russland und China bewegt sich dabei ganz ähnlich wie Merkel mit iranischer Wackel-Politik, ebenfalls im Großgeschäft mit Russen und Chinesen, gerade in jüngster Zeit - und schließlich mit spektakulären Alleingängen im Banken- und Spekulationssektor bei dem Verbot von „Leerverkäufen“ (für die Spekulation auf fallende Kurse) und der Bemühungen um Transaktionssteuer/Bankenabgabe.
Und was passiert? Sarkozy kämpft gegen eine Affäre, die ihn das Amt kosten könnte: Er soll zigtausende Euros in Umschlägen aus dem Haus der reichsten Familie des Landes, L‘Oréal-Erbin Bettencourt, erhalten haben. Die Abläufe erinnern jedoch an die Wirkungsweisen von Geheimdiensten. In Deutschland, dass seine Geschichte in Kleinstaaterei und provinziell-individualistischen Neigungen seiner Führungseliten nicht verleugnen kann, laufen der Kanzlerin viele wichtige Machtfaktoren weg. Und die großen Lügen-Medien heulen, sie führe nicht. Ja, was geschähe denn, wenn sie ihren berüchtigten „Moderationsstil“ aufgäbe? Dann wäre doch erst richtig Feuer unterm Dach - nicht wahr? Dann böte sie Angriffsflächen, deren Verteidigung sie als schwaches US-Konstrukt doch niemals gewachsen wäre! Merkel ist aber zu klug, um in Methoden zu verfallen, bei denen ihre Gegner sie noch besser packen könnten als ohnehin schon.
Helmut Kohl war der erste Kanzler der Republik, der ohne jede alternative Idee oder Konzeption zur Regierungspolitik sein Amt in einer Art Coup errang. Das war damals sprichwörtlich, Allgemeingut der Medien - und schuf ihm Feinde in der eigenen Partei, die er mit schwarzen Kassen und Cliquenwirtschaft niederrang. Seitdem gibt es keine Oppositionspolitik mehr, die den Namen verdient: Politiker beziehen klar Stellung, entwerfen Gegenmodelle - und treten zurück, wenn sie damit erfolglos bleiben.
Wer heute in Deutschland politisch führt, stammt jedoch aus der aktuellen „No-Name“-Strategieschule.
Und bei Merkel kommen aus der schillernden Familienhistorie noch Fragen über ihre geheimdienstlichen Anbindungen hinzu. Solange die Großmedien hier nicht einsteigen, soll sie offenbar im Amt bleiben - weil sie nützlich ist, genauer: weil ihr Nutzen überwiegt.

Beide Politiker erscheinen stark geschwächt, verlieren ihr Amt jedoch nicht, obwohl dies in beiden Fällen anstünde und nur angemessen erschiene, auch wenn man die totale Verlotterung der politischen Moral voraussetzt. Offenbar sollen die wichtigsten Mächte Europas von schwachen Kräften geführt und repräsentiert werden, um ihre verminderte Druckempfindlichkeit gegen ihre Länder und Europa nutzen zu können.
Die Zeit für Umwälzungen rückt näher. Jeden Tag.