Heute früh gegen 4:30 hat eine israelische Kampfeinheit zu Wasser und aus der Luft in internationalen Gewässern einen Schiffskonvoi von Friedensaktivisten für den seit drei Jahren unter israelischer Blockade leidenden Gaza-Streifen angegriffen. dabei wurden bis zu 19 Passagiere getötet und 50 weitere zum Teil schwer verletzt. Israelische Spezialeinheiten hatten sich aus Hubschraubern über einigen der Schiffe abgeseilt und dort im entstehenden Handgemenge mit den Besatzungen um sich geschossen.
Das türkische Regierungskabinett trat deshalb heute früh zu einer Sondersitzung zusammen. Die Bundesregierung will sich gegen 13 Uhr durch Außenminister Westerwelle zu Wort melden. Weltweit ist das Echo außerordentlich aufgebracht.
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Deutsche Medien wie die (Sueddeutsche) geben in bewährter Manier die jeweils für Israel günstigsten Verlustzahlen an, beschönigten die israelischen Motive („Mit der Blockade will Israel das Einschmuggeln von Waffen verhindern.“) und zitieren vor allem offizielle israelische Quellen in der Darstellung des Geschehens. Die (Tagesschau) erwähnte auch Verletzte auf israelischer Seite.
Palästinenserführer Abbas spricht von einem Massaker an den Helfern - und protestiert mit deutlichen Worten.
Israels Überfall kommt zu einem interessanten Zeitpunkt: Morgen trifft Israels Premier Netanjahu US-Präsident Obama im Weißen Haus. Es ist nicht damit zu rechnen, dass Obama Israel in die Schranken weisen wird, obwohl die Blockade des Gaza-Streifens jedem internationalen Gesetz Hohn spricht.
Hervorzuheben ist das außerordentliche Engagement der Türkei, deren Hilfsorganisation das Führungsschiff des Konvois, „Mavi Marmara“ stellte. Nur so erklärt sich auch die hochrangige und schnelle Reaktion der türkischen Regierung.
Der qatarische Sender Al Jazeera hat Korrespondenten an Bord, die bis zur Unterbrechung ihrer Tätigkeit durch Israel berichteten.
„Free Gaza“ und andere Hilfsorganisationen widersprechen israelischen Angaben: Israelische Soldaten haben laut Al Jazeera beim Entern sofort geschossen, während die Schiffspassagiere und Besatzungen keine Schusswaffen einsetzten, wie Israel weiterhin behauptet.
Zwei Bundestagsabgeordnete der Linksfraktion, Annette Groth und Inge Höger, reisen im Konvoi mit, wie such der berühmte und hoch engagierte Krimiautor Mankell und viel weitere Prominenz.
IPPNW hat eine besonders hilfreiche Liste (pdf) mit (Mail-)Adressen aller wichtigen Beteiligten, Telefonnummern etc. für Proteste herausgegeben.
Protest-Unterschriften können hier geleistet werden.
Eine zusätzlich interessante Faktensammlung liefert der Berliner Politologe Said Dudin (One World Media - pdf).
KOMMENTAR
Es kommt jetzt darauf an, Israel klarzumachen, dass die internationale Gemeinschaft weitere Rechtsbrüche nicht duldet. Der Zwischenfall dient unter anderem sicherlich auch dazu, das „Wasser zu testen“ für den geplanten Angriff gegen Iran. Israel steht außerdem unter einem gewissen Druck, sich der Schaffung eines Palästinenserstaates nicht länger zu widersetzen.
Damit bekommen alle Demonstrationen und Mahnwachen JETZT eine besondere Bedeutung für die Erhaltung des Weltfriedens und die Sicherstellung der Rechte der unterdrückten Palästinenser in- und außerhalb Israels.